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1. Kapitel

Àhrin legte zartrosa Abendleuchten über Khariolares schneegezuckerte Gipfel. Panghrions Sonnengöttin zauberte wanderndes Halbdunkel auf Shantovans Hochebenen. Diese länger werdenden Schatten krochen zwischen Schwarztannen hindurch und fielen in nebelgefüllte Niederungen um Kyrjagon. Als heiße Sommernacht kletterten sie wieder heraus. Nachtgeister erschuf daraus trägen, kräftezehrenden Schlaf. Im Norden stieg Orannors Mond hinterm Horizont hervor. Sein Schein legte eisblaue Farben auf Shantovan.

Die Nacht vor dem südlichen Aufbruch war wie geschaffen für den Schattenlosen. Lautlos schwebte er über dem Kopfsteinpflaster, überfiel unzählige Hütten des Armenviertels; glitt anschließend zum Schloss.

Die Angst gab ihre wahre Gestalt noch nicht preis. Aber in halb verfallenden Schuppen, im Königspalast, sogar an den Toren der Hauptstadt atmete sie furchterregenden Dunst aus. Das schattenlose Wesen und der hündische Begleiter, lebten von grausamen Nöten, labten sich an gierigen, nach Macht geifernden Seelen. Menschliche verlangen zum Foltern und Töten schmeckten ihnen beinahe wie gezuckerte Sahne. Doch seine wahre Suche blieb auch heute Nacht erfolglos. Anfangs dachte noch, dass gestohlene Gut wieder zu finden. Aber nirgends traf er jenen prickelnden, funkensprühende Duft des Sphärentanzes. Alles an ihm sehnte sich, durch Sphären zu springen, in den brennsteinfarbenen Funken zu baden.

Glutrote Augen blitzten kurz auf. Vor dem steineren Wolf am Osttor stand eine Schankmagd. Unmöglich. Diese, dem Kampfalter entwachsene Frau, konnte keine Sphärenspringerin sein.

Fast viertausend Sonnwenden Suche, zerfraßen seine Seele; brennender Hass hinterließ Narben. Diejenigen welche ihm die Gabe Raunen zu schreiben, ihren süßen Klang zu hören, geraubt hatten traf Wut.

Bald begann der Weg zum Sieg. Doch eines nicht allzu fernen Tages, am Ende des dritten Annuarions würde er die Seele Panghrions Auserwählten fangen, die Raunengabe aussaugen.

Aber diese Nacht war genau so leer, wie in anderen Königreichen.

Bevor der Schattenlose, mit seinem Begleiter Kyrjagon verließen, legten sie Hass in viele Herzen Regierender, labten sich durch den Kerker des Schlosses an höllischen Schmerzen Gefangener. Badeten im Eisengeruch ausströmenden Blutes; genoss Schmerzenschreie.

So gestärkt schwebten beide zum Haupttor und verschwand aus Kyrjagon.

 

 

Roland 4